Meeresschutzgebiet „Borkum Riff“ als Baggergutdponie?

Hopperbagger auf der Außenems, Foto (C): Eilert Voß

Hopperbagger auf der Außenems, Foto (C): Eilert Voß

Nachtrag 22. Sept. 2016: Nun also doch: Aus „überwiegenden Gründen des öffentlichen Interesses“ (§ 67 Bundesnaturschutzgesetz), „nach umfangreicher fachlichen und rechtlichen Prüfung unter verschiedenen Auflagen ist zugestimmt worden“, so der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Jetzt dürfen im Meeresschutzgebiet (!) „Borkum Riff“ maximal 2,3 Millionen Kubikmeter Sand und Schlick verklappt werden. Und für vier Jahre dürfen zur Unterhaltung weiterhin jährlich bis zu 640 000 Kubikmeter Baggergut in eine vorhandene Verklappungsstelle eingebracht werden. „Borkum Riff“, ca. 10 km nordwestlich vor der Insel Borkum, ist Teil des EU-Vogelschutzgebietes V01, zu dem auch der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehört. Gibt es in den Niederlanden keine Klappstellen, ist es nur eine Kostenfrage der günstigen ortsnahen Entsorgung oder war es der unklare Grenzverlauf zwischen den Niederlanden und Deutschland? Die Frage ist zudem, ob das Baggergut aus dem Schifffahrtsweg der Ems belastet ist und wie die Auswirkungen auf das Sediment im Schutzgebiet sein werden. Warum wird das Baggergut nicht zumindest teilweise an Land deponiert, um als Rohstoff für etwaige Deicherhöhungen zu dienen? Naturschutz in Niedersachsen, business as usual!

Das 10.000 Hektar große Meeresnaturschutzgebiet „Borkum Riff“ nordwestlich von Borkum ist Teil des EU-Vogelschutzgebietes V01 „Niedersächsisches Wattenmeer und angrenzendes Küstenmeer“ und damit Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Was dieser Schutzstatus in Wirklichkeit Wert ist, zeigen die Niederlande. Sie beabsichtigen Baggergut aus der Vertiefung der Außenems in diesem Schutzgebiet zu verklappen und haben einen entsprechenden Antrag beim Niedersächsischem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zur Befreiung von den Verboten der Verordnung über das Naturschutzgebiet „Borkum Riff“ gestellt. Die Verklappung würde Auswirkungen auf das Meeressediment und deren Bewohner in diesem Schutzgebiet haben. Naturschutz also wieder einmal nur auf dem Papier? Genehmigungsvoraussetzung nach § 67 Bundesnaturschutzgesetz ist das „überwiegende öffentlichen Interesse“, wenn die Versagung zu einer unzumutbaren Belastung führen würde und wenn die Abweichung mit den Belangen von Naturschutz und Landschaftspflege vereinbar ist. Das überwiegende öffentliche Interesse ist in einem EU-Vogelschutzgebiet aber der Naturschutz, nicht die Baggergutentsorgung. Nördlich des Schutzgebietes wurde 2015 der riesige Offshore-Windpark „Borkum-Riffgrund“ mit 78 Anlagen in Betrieb genommen. Verfügen die Niederlande zudem nicht über ausreichend eigene Verklappungsgebiete vor ihrer Küste außerhalb von Schutzgebieten? weiter »

Gänsewachtprotokoll 2013/2014 im NSG „Petkumer Deichvorland“ an der Ems: der alljährliche Jagdskandal

Abendlicher Gänseeinflug in die Schlafplätze am Dollart/ Nationalpark Niedersächsiches Wattenmeer

Gänsewacht im NSG Petkumer Deichvorland, oder: „Alljährlicher Jagdskandal am Nonnengansschlafplatz“

von Eilert Voß, Widdelswehr

Jagdperiode: 01. November 2013 bis 15. Januar 2014

Vorwort und Dank

Im fünften Jahr organisierten Mitarbeiter ostfriesischer Initiativen und Umweltgruppen für den Schutz des Nonnengans-Schlafplatzes von Petkum die so genannte „Gänsewacht“. Anlass sind regelmäßige Beschießungen arktischer Gänsebestände, die in der Dämmerungszeit zwischen dem Dollart und den Äsungsgebieten der Unterems hin- und herpendeln. Ein jährlich sich wiederholender Freizeitspaß von Gänsejägern, die Vogelbestände der Nordhalbkugel am Weltnaturerbe „Dollart“ unter Schrotfeuer zu nehmen. Dass bei der unerträglichen Naturnutzung nicht nur jagdbare Vogelarten verscheucht, getötet oder schwer verletzt werden, ist Politikern, Behördenvertretern und Wissenschaftlern seit Jahren bekannt und wird im privaten Gespräch niemals bestritten.

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Wie Natur an der Ems gezielt kaputt gemacht wird: von Rebhühnern, Behörden und lästigem Emsschlick

NSG "Petkumer Deichvorland" (untere Bildmitte) und nördlich angrenzende Pufferzone

Statt eines Vorwortes: Man glaubt es kaum, aber es ist traurige Wirklichkeit: Trotz internationaler Abkommen zum Schutz von Feuchtbiotopen, trotz „Biodiversitäts“-Kampagnen, trotz Naturschutzverordnungen, trotz Naturschutzbehörden, trotz vieler Naturschutzverbände – in Niedersachsen zur Zeit 15 an der Zahl: Die Naturvernichtung in Ostfriesland geht ungebrochen weiter, oft völlig unbemerkt von einer größtenteils desinteressierten Politik, die noch nicht einmal mehr in Sonntagsreden den Naturschutz entdeckt, und einer ebenso weitgehend gleichgültigen Öffentlichkeit. Unser Mitarbeiter Eilert Voß hat eine anklagende Zusammenfassung über ein kleines überschaubares Gebiet an der Ems zusammengestellt, in dem ganz aktuell eine ausgewiesene Pufferzone, angrenzend an das Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“, nicht nur unter die Räder von Lastwagen und Ketten von Baggern, sondern auch unter den eingespülten Schlick aus der Ems geraten ist. weiter »

Die Sache mit der Dose: Geocaching und Naturschutz

Geocaching, das Verstecken und Finden von kleinen oder großen „Schätzen“ mit Hilfe eines GPS-Gerätes und des Internets, erfreut sich großer Beliebtheit. Das Spiel führt oft in die entlegensten Bereiche, auch in Naturschutzgebiete oder Nationalparks, und kann so empfindliche Tiere stören oder gar töten. Auch seltene und geschützte Pflanzen geraten an viel frequentierten Geocacher-“Autobahnen“ unter […]

Wasservogeljagd in Schutzgebieten: Gänsewachtbericht 2009-2013 liegt vor

Eilert Voß hat wieder einmal in der vergangenen Wasservogeljagdsaison jeden Schuss im und am Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“ an der Ems, Teil eines EU-Vogelschutzgebietes, dokumentiert. Sein aktuelles Protokoll 2012-2013 und die älteren Protokolle seit 2009 sind auf der WebSeite der Gänsewacht als .pdf-Datei abgelegt. weiter »

Ein gutes Jahr 2012…

Böllermüll am Naturschutzgebiet Petkumer Deichvorland

Allen Krisen zum Trotz lässt es der „mündige Bürger“ zu Sylvester krachen, sogar in oder an Naturschutzgebieten. Nicht nur für Haustiere, auch für die wildlebenden Tiere in ihren Schutzgebieten muss die Böllerei und der stundenlange Raketenbeschuss eine Qual sein. Dieses Bild entstand in Petkum an der Ems, direkt am Naturschutzgebiet Petkumer Deichvorland, […]

EU-Vogelschutzgebiet Ems: Schüsse im Dunkeln, Gänsewacht und Polizei waren Zeugen

"Kollateralschaden": frischtote Blässgans nach der Jagd bei Dunkelheit und Nebel (nicht der Originalfundort, der ist 200 m entfernt!)

„Dunkel war´s, nichts war zu sehen, als die Polizei erschien“… bei den Gänseschießern im Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“.

Nur ist nichts Lyrisches an den Jagdverstößen im Schutzgebiet, klare Prosa ist angesagt. Es war wieder einmal soweit: Bei Dunkelheit und Nebel waren Wasservogeljäger wie in jedem Jahr im Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“ an der Ems, Teil eines EU-Vogelschutzgebietes, unterwegs. Deutlich waren schon zwischen 06.00 Uhr und 07.00 Uhr Schrotschüsse aus dem Schutzgebiet zu hören, bei Dunkelheit und Nebel mit späteren Sichtweiten zwischen 50 und 80 Metern! Sonnenaufgang war erst um 07.46 Uhr, jagdrechtlich darf aber schon 90 Minuten vor Sonnenaufgang bis 90 Minuten nach Sonnenaufgang gejagt werden, zulässiger Jagdbeginn in diesem Falle also ab 06.16 Uhr, aber nur wenn die Sichtverhältnisse dies zulassen; so sagt es der § 1 Absatz 3 der Bundesjagdzeitenverordnung weiter »

Meyer Werft: „Celebrity Silhouette“: Land unter für den Vogelschutz an der Ems

Schaulustige im EU-Vogelschutzgebiet, im Vordergrund rechts eine vertriebene Rohrweihe über dem Wasser

Am 30. Juni 2011 versanken wieder einmal die Deichvorländereien der Ems in den Fluten, und mit ihnen die Nachgelege oder Zweitbruten der Vögel in diesem EU-Vogelschutzgebiet. Nein, es war keine natürliche Sturmflut, sondern das Ergebnis des Aufstauens der Ems mit Hilfe des Emsstauwerkes (immer noch Emssperrwerk genannt), um den Neubau der Meyer Werft „Celebrity Silhouette“ im binnenländischen Papenburg an das seeschifftiefe Wasser der Nordsee zu überführen. Dieses Spektakel nutzten wieder zahllose Schaulustige, die die Schutzgebiete der Ems-Vorländereien stürmten, um näher an das riesige Kreuzfahrtschiff heranzukommen. Zuvor, am 26. Juni, hatte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit einer „Megaparty“ die Massen in Papenburg vor der Kulisse  des Schiffsneubaus mit lauter Musik angetörnt, noch eine kostenlose PR-Veranstaltung für die Werft mit öffentlichen Mitteln.

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Gänsejagd an der Ems: Polizei antwortet zwei Monate nach Anzeige

Bei diesen Sichtverhältnissen wurden Gänse bejagt!

Nach zwei Monaten bekam der Wattenrat Antwort von der Polizei in Emden auf seine Ordnungswidrigkeitsanzeige gegen Jagdverstöße von Emder Jägern (s.u.), die verbotswidrig im Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“ (EU-Vogelschutzgebiet) bei Dunkelheit, Nebel oder Schneetreiben Jagd mit oder ohne Jagdhund auf überwinternde Gänse machten, ohne dabei durch die schlechten Sichtbedingungen die Arten nach geschützten oder nicht geschützten Arten unterscheiden zu können. Das ist nach der Bundesjagdzeitenverordnung verboten.

„Die von Ihnen angesprochene Problematik ist hier grundsätzlich bekannt. […] Es bestehen definitiv keine polizeilichen Handlungsmöglichkeiten und Handlungsnotwendigkeiten. […] Zwischen dem Polizeikommissariat Emden und der Stadtverwaltung Emden bestehen keinerlei gegenseitige Aufsichts-oder Kontrollbefugnisse.“, so die Polizei in Emden im Schreiben vom 14. April 2011. Das Schreiben ist im Original hier nachzulesen: Gänsejagd_Polizei_Emden_14. April 2011

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Ems: Überführung „AIDAsol“: Gaffer ohne Grenzen in Schutzgebieten

EU-Vogelschutzgebiet und Musikdampfer "AIDAsol": Gänse auf der Flucht

Das gewohnte Bild: Die Meyer Werft in Papenburg überführte am 11. März  ihren Neubau „AIDASol“ über die viel zu enge Ems an die Küste.

Diesmal ohne Feuerwerk wie auf der „Disney Dream“ (es war ja auch noch hell), ohne Musik (die wurde aus „Naturschutzgründen“ vom Landkreis Leer von Bord der Meyer Schiffe ohnehin verboten), aber mit häufigen und völlig unnötigem Gebrauch des Schiffs-Typhons zur Begrüßung der Schaulustigen, die die Emsufer säumten. Diese dem Dickschifffaszinosum erlegenen Gaffer kannten in ihrer maritimen Seh-Geilheit im wahrsten Sinne des Wortes keine Grenzen:

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