Gänsejagd in Ostfriesland: Allianz der Totmacher

Nonnengänse auf Grünland im Februar, Ditzumer Hammrich, Foto (C): Eilert Voß

Hungrige Nonnengänse auf Grünland im Februar, Ditzumer Hammrich, Foto (C): Eilert Voß

Alle Jahre wieder wird in Ostfriesland mit Beginn der Jagdsaison gegen die hier überwinternden arktischen Gänse gehetzt, in wechselnder Besetzung. In diesem Jahr trafen sich Politiker, Landwirtschaftsfunktionäre und Jäger, um ihre abstrusen Vorstellungen von der Regulierung der Gänse sogar in den EU-Vogelschutzgebieten der Öffentlichkeit zu unterbreiten, und haben dabei Naturschutzfachliches völlig außer acht gelassen. weiter »

Zugvogeltage: „Nachdem sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.“

Aneschossene Pfeifente, NAtionalpark Niedersächsisches Wattenmeer und "Weltnaturerbe", Foto (C): Eilert Voß

Angeschossene Pfeifente, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“, Foto (C): Eilert Voß

Seit Wochen trommelt die Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer in den Medien für die 7. „Zugvogeltage“, die in diesem Jahr vom 10. bis zum 18. Oktober stattfinden. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Gefährdung der Zugvögel findet aber nicht statt, auch nicht in begleitenden Kommentaren in der Presse. Von den Tourismusverbänden und Fremdenverkehrskommunen wird diese Veranstaltung ebenfalls beworben, vorgeblich gäbe es sogar „eine neue Allianz im Weltnaturerbe“ zwischen „Zugvogelschutz und Tourismus“, so der angekündigte Titel eines Vortrages am 15. Oktober auf Norderney. Und spätestens hier sollte man als Naturschützer misstrauisch werden. Es geht also weniger um die Zugvögel, als um die Besetzung eines neuen touristischen Marktsegmentes mit dem Label „Öko“ für eine kleine Zielgruppe der Naturinteressierten und der optisch hochgerüsteten Vogelgucker, neudeutsch „Birder“ genannt. weiter »

Damwild auf der Insel Norderney: Freizeitjäger wollen Hirsche im Nationalpark hätscheln

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Damhirsch auf der Insel Norderney, Foto (C): Eilert Voß

Was für eine überflüssige und scheinheilige Diskussion um das Damwild auf Norderney! Eine Jägerschaft, die sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit als vorgebliche „Naturschützer“ hochstilisiert, sollte wissen, dass die Hirsche 1966 zur Ergänzung des Jagdwildes – also zur Jägerbespaßung – auf der Insel ausgesetzt wurden, nicht nur auf Norderney. Das ist eigentlich verboten, weil Damwild auf den Inseln natürlich nicht vorkommt. Ursprünglich stammt Damwild aus Klein- und Vorderasien.

§ 40 Bundesnaturschutzgesetz: “ 1) Es sind geeignete Maßnahmen zu treffen, um einer Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen und Arten durch Tiere und Pflanzen nichtheimischer oder invasiver Arten entgegenzuwirken.“

Die Lösung ist doch ganz einfach: weiter »

„Vogelgrippe“: Jagd auf Virus H5N8?

Gänsejäger im Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“ an der Ems, EU-Vogelschutzgebiet: Kadaverwäsche in einer Viehtränke

Der agrarpolitische Sprecher der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Helmut Dammann-Tamke, ist gleichzeitig Präsident der Landesjägerschaft in Niedersachsen. Er äußerte sich in der Presse u.a. so zur „Vogelgrippe“, die in einem Cloppenburger Putenmastbetrieb nachgewiesen wurde: […] Es wäre deshalb wichtig gewesen, die Jäger für diese Thematik zu sensibilisieren und sie aufzufordern, gezielt Wildvögel zu erlegen, um Untersuchungen durchführen zu können. Auf diese Weise hätte man die von Zugvögeln ausgehende Infektionsgefahr deutlich realistischer einschätzen können […]“.

Der erste Vogelgrippefall in Niedersachsen wird von einem Jagdfunktionär sofort mit wildlebenden Vögeln in Verbindung gebracht. weiter »

„Killerrobben“ fressen Schweinswale: Kegelrobben sollen Schweinswalbestände gefährden

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Kegelrobben sind in Verruf geraten: Sie sollen gezielt Jagd auf Schweinswale oder Kleine Tümmler machen. Am 26. November 2014 berichtete Spiegel-online über bemerkenswerte Nahrungsgewohnheiten des größten Raubtieres an der Küste der Nordsee, die von niederländischen Forschern untersucht wurden: „Nahrhaftes Fett: Jagdfieber der Kegelrobben bedroht Schweinswale“[…] Damit wären Kegelrobben-Angriffe eine der Haupttodesursachen für Schweinswale in der Nordsee – neben dem Tod in Fischereinetzen als Beifang (20 Prozent), Infektionskrankheiten (18 Prozent) und Auszehrung (14 Prozent). […]“.

Ob Kegelrobbenattacken tatsächlich die „Hauptursache“ für den Tod der Schweinswale ist, wie der Spiegel berichtet, ist allerdings fragwürdig. Fakt ist, dass die noch im Mittelalter sehr häufigen Kegelrobben am Anfang des 20. Jahrhunderts an den europäischen Küsten als Nahrungskonkurrenten der Fischer fast ausgerottet waren und sich die Bestände im Wattenmeer erst seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts langsam wieder erholen. Die Unterart der Ostsee-Kegelrobbe  (Halichoerus grypus balticus) ist sehr viel seltener. Schweinswale ertrinken nach wie vor häufig in den Netzen der Fischer. weiter »

Naturschutzpreis für Eilert Voß

Eilert Voß in seiner "Stellung" am NSG "Petkumer Deichvorland" an der Ems

Heute, am 05. November 2014, bekommt unser Mitstreiter Eilert Voß in einer Feierstunde in Hannover den Preis der Karl Kaus-Stiftung für seine Verdienste um den Tier- und Naturschutz. Eilert Voß hat über Jahre bei jedem Wetter beharrlich Jagdverstöße, vor allem bei der Wasservogeljagd, aufgedeckt und dokumentiert. Alle Anzeigen verliefen im Sande, er selbst wurde wegen „Jagdstörung“ verurteilt. Viele Medien haben bereits über seinen Einsatz berichtet, und es gab sogar üble Verrisse vom jagenden Journalisten für Jäger: NDR-Reportage: „Gänsekrieg in Ostfriesland“- mehr Ente als Gans.

Lieber Eilert, auch auf diesem Wege einen herzlichen Glückwunsch zu Deinem Preis. Und was wären die Wattenrat-Seiten ohne Deine Bilder!

dpa-Redakteur Hans-Christian Wöste hat eine schöne und ausführliche Würdigung geschrieben, die wir nachstehend mit freundlicher Genehmigung der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, Hamburg, www.dpa.de veröffentlichen. Sein Beitrag erschien in vielen Tageszeitungen. Eilert Voß´ Dankesrede anlässlich der Preisverleihung können Sie ganz unten nachlesen. Nur die „Emder Zeitung“, dort wo Eilert Voß wohnt, berichtete am 04. November lediglich in einer „Kurzmitteilung“ über die Preisvergabe, und versah sich auch noch mit dem Tag, an dem der Preis übergeben wurde…

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Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: auch Propagandaveranstaltung

Nächtlicher Gänsezug

Am 11. Oktober 2014 begannen die 6.  Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Der Wattenrat Ostfriesland begrüßt die Informationsveranstaltungen und Exkursionen, die für ein besseres Verständnis der Lebensverhältnisse von Gänsen, Enten und Watvögeln werben sollen. Dabei sollte aber nicht verschwiegen werden, dass die Vögel gerade im und am Nationalpark und „Weltnaturerbe“ oft keine ungestörten Rast-, Nahrungs- und Schlafplätze mehr vorfinden. Die Hochwasserrastplätze im nationalparknahen Binnenland wurden in den letzten Jahren systematisch und auch unter Missachtung des Naturschutzrechts mit Windparks überbaut. Diese Flächen fallen durch den Scheucheffekt der Rotoren als Rückzugsgebiete für die Zugvögel aus. weiter »

„Wolf nein danke“?

Gesehen im Mai 2014, BAB zwischen Walsrode und Verden (Foto: Dr. Helmut Kruckenberg)

Seit 1998 werden wieder wildlebende Wölfe in Deutschland beobachtet. Vor mehr als 150 Jahren waren sie ausgerottet worden. Inzwischen haben die ersten Paare oder Einzelgänger auch Niedersachsen erreicht. Für die heimische Natur ist das Vorkommen der Wölfe sicher eine Bereicherung, nur rufen diese Tiere sofort auch Gegner auf den Plan. Liest man aufmerksam die Jagdforen, wird der Ruf nach Abschüssen laut, der Wolf ist Jagdkonkurrent der Freizeitjäger. In der Tat gab es auch schon mehrere Fehlabschüsse durch Jäger, weil die Wölfe vorgeblich für Hunde gehalten wurden. Der Abschuss eines Wolfes ist eine Straftat und kann mit Freiheitsstrafe geahndet werden. Auch Viehalter, besonders Schafhalter, befürchten Schäden durch Wölfe, die aber -noch- mit staatlichen Mitteln ersetzt werden. Dennoch kann man auch von Schafhaltern – ebenso von Damwildhaltern-  erwarten, dass sie ihre Herden z.B. durch geeignete Elektrozäune, und bei Schafhaltern zusätzlich mit gut ausgebildeten Hütehunden schützen.  Jeder Hühner- oder Gänsehalter weiß um die Gefahren durch Marder oder Füchse und trifft entschädigungslos Vorkehrungen, damit diese Fressfeinde keinen Zugang zum Auslauf oder Stall haben. Nutztierhalter bekommen (noch) eine staatliche Entschädigung bei nachgewiesenen Wolfsrissen. Aber die Jägerschaft macht schon jetzt Stimmung: 2012 beklagte die Landesjägerschaft in Niedersachsen den Verlust von „65 Stück Damwild“ durch Wolfsrisse. Sie sagte nicht, ob es sich dabei um halbzahmes Gatterwild mit unzureichender Umzäunung  handelte. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 betrug die Jagdstrecke für Damwild in Niedersachsen 12.960 Stück. Dazu kamen 977 Tiere, die durch den Straßenverkehr umkamen plus 170 Stück sonstiges Fallwild, zusammen also 14.107 Stück! (Quelle: Landesjagdbericht 2012).

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Gänsejagd: Fakten statt Jägerpropaganda, SPD bremst Gänseschutz

Auch an Gänseschlafplätzen darf weiter gejagt und gestört werden: Gänseschlafplatz im Dollart, EU-Vogelschutzgebiet und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, 05. März 2014

Die Gänsejagd ist wieder Thema in der Presse. Die Nachrichtenagentur dpa hat darüber sehr ausführlich berichtet, unter Verwendung einer aktuellen sehr detaillierten Pressemitteilung des NABU (s.u.) und mit Hinweis auf die jahrelangen Aktivitäten des Wattenrates Ostfriesland. Nur in einigen Lokalzeitungen an der Küste, dem Ort des Geschehens, fiel die Übernahme des dpa-Beitrages leider sehr mager aus, der Bericht wurde z.T. stark gekürzt abgedruckt…

Inzwischen kursieren die Entwürfe einer neuen Jagdzeitenverordnung in Niedersachsen vom Oktober 2013, einer sogar speziell zugeschnitten auf den Herrschaftsbereich der Vorsitzenden des SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Johanne Modder aus landwirtschaftlich geprägten Rheiderland im Nordwesten der Republik. weiter »

Gänsewachtprotokoll 2013/2014 im NSG „Petkumer Deichvorland“ an der Ems: der alljährliche Jagdskandal

Abendlicher Gänseeinflug in die Schlafplätze am Dollart/ Nationalpark Niedersächsiches Wattenmeer

Gänsewacht im NSG Petkumer Deichvorland, oder: „Alljährlicher Jagdskandal am Nonnengansschlafplatz“

von Eilert Voß, Widdelswehr

Jagdperiode: 01. November 2013 bis 15. Januar 2014

Vorwort und Dank

Im fünften Jahr organisierten Mitarbeiter ostfriesischer Initiativen und Umweltgruppen für den Schutz des Nonnengans-Schlafplatzes von Petkum die so genannte „Gänsewacht“. Anlass sind regelmäßige Beschießungen arktischer Gänsebestände, die in der Dämmerungszeit zwischen dem Dollart und den Äsungsgebieten der Unterems hin- und herpendeln. Ein jährlich sich wiederholender Freizeitspaß von Gänsejägern, die Vogelbestände der Nordhalbkugel am Weltnaturerbe „Dollart“ unter Schrotfeuer zu nehmen. Dass bei der unerträglichen Naturnutzung nicht nur jagdbare Vogelarten verscheucht, getötet oder schwer verletzt werden, ist Politikern, Behördenvertretern und Wissenschaftlern seit Jahren bekannt und wird im privaten Gespräch niemals bestritten.

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