8. November 2010

NSG „Petkumer Deichvorland“: Betretungsverbot wird ständig ignoriert

Fußgänger im Naturschutzgebiet: Die "mündigen" Bürger? Verbote werden ignoriert

Das Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“ war schon häufig Gegenstand der Betrachtung auf den Seiten des Wattenrates. In diesem schmalen Vorlandbereich der Ems, Teil eines europäischen Vogelschutzgebiets, rasten zahlreiche Wasser- und Watvögel bei Hochwasser oder suchen hier Nahrung, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Viele Arten reagieren sehr empfindlich auf die Annäherung und haben Fluchtdistanzen bis zu 500 Metern. Aus diesem Grunde darf der östliche Teil des Naturschutzgebiets bis zum Ems-Stauwerk auch nicht begangen werden.

Ein illegal gebauter Betonweg (sog. Teekabfuhrweg), mit überschüssigem Beton des Ems-Stauwerks gebaut, entlang des Schutzgebiets parallel zum

Unkenntlich gemachtes Verbotsschild im Naturschutzgebiet

Deich ist für Spaziergänger tabu und entsprechend beschildert. Dazu gibt es ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg, dass dieser Weg ganzjährig nicht betreten werden darf. Vorangegangen waren heftigste öffentliche Auseinandersetzungen. Die Stadt Emden und vor allem der Fraktionsvorsitzende der FDP im Emder Rat, Erich Bolinius, versuchten jahrelang diesen Weg als touristisches Angebot zu propagieren. Das Betreten des Weges ist eine Ordnungswidrigkeit wie falsches Parken. Beim Falschparken wird man aber in der Regel zur Kasse gebeten, Verstöße gegen das Naturschutzrecht blieben im „Petkumer Deichvorland“ dagegen bisher immer ungeahndet, trotz häufiger Benachrichtigung der Polizei. Im Winterhalbjahr wird überdies in diesem Schutzgebiet stark auf Wasservögel gejagt, im Dunkeln, bei Schneetreiben und Nebel, ohne dass die Vögel überhaupt richtig angesprochen werden können.

Den Wattenrat erreichte am 07. November 2010 eine Mail von einem Beobachter, der ein Foto mitlieferte:

[…] Hab Spaziergaenger angehalten und sie auf die Ordnungswidrigkeit hingewiesen. Sie lachten mich nur aus. Eine Frau sagte mir ihren Namen und sagte dann, dass ich der Polizei ihren Namen mitteilen koenne.Reden wollte sie mit mir nicht, das sei nicht noetig. […]

So dicht am Deich und Betonweg äsen und rasten die Vögel, wenn sie ungestört sind

Die Saat des liberalen Erich Bolinius, der jahrelang mit den abstrusesten Argumenten für eine Öffnung des gesperrten Weges focht, geht also auf. Die Anwohner von Petkum und Umgebung sind so verhetzt, dass sie geltendes Recht einfach ignorieren und den gesperrten Weg zum Schaden der Rastvögel (und im Frühjahr der Brutvögel) kackfrech nutzen, Absperrungen werden einfach überklettert oder wurden auch schon mutwillig zerstört.  Sie wissen, dass man keine Sanktionen fürchten muss. Daran sieht man, welchen Stellenwert Naturschutzgesetze und -verordnungen in diesem Lande haben: keinen!

Zu allem Überfluss ließ die Deichacht Moormerland „zur Verbesserung der Schafbeweidung“ im Bereich des Emsstauwerkes alle A bsperrzäune entfernen, nun ist das Betreten des Schutzgebietes dort ungehindert möglich! Es ist zu vermuten, dass die Deichacht mit dieser unsinnigen Aktion demonstrieren wollte, wer „Herr im Hause“ ist.

Weiterführende Links zum NSG „Petkumer Deichvorland“:

Fotodokumentation zu den Auswirkungen des Teekwegs im Petkumer Deichvorland, 2006  (.pdf)

NSG „Petkumer Deichvorland“ – NABU klagt erfolgreich

„Petkumer Deichvorland“: Fackelzug gegen den Naturschutz

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